Hannovera locuta, causa finita

50+x - Die Zukunft des Sports?

11:02, 16-Dec-2007 .. 0 Kommentare .. Link

Ausgerechnet in Ostniedersachsen, da irgendwo im Nirgendwo, sehen viele die Wiege einer kommerziellen Entwicklung, deren Tempo den Fußball fast schon überrollt hat. In der niedersächsischen Provinz war es ein erfolgreicher Likörproduzent, der seinen Hirschkopf gerne auf den Trikots eines aktuell in die Viertklassigkeit taumelnden Vereins sehen wollte. Darüber hinaus sollte sogar der Verein selbst nach seiner Firma Jägermeister benannt werden. Letzteres konnte der wachsame DFB zwar unterbinden, aber durch einen Trick konnte die ebenfalls vom Fußballbund abgelehnte Trikotwerbung platziert werden. Denn der ostniedersächsische Bundesligist verscherbelte sein Emblem einfach an Jägermeister und fortan war der Hirsch das offizielle Vereinslogo.

Nun kann man sagen dass das "böse Geld" schon früher Einzug im deutschen Fußball gehalten hatte und Sponsoring auch schon vor Günter Mast statt fand, aber der unsägliche Verkauf von Tradition zu Gunsten eines Geldgebers feierte damals wohl Premiere. Trikotsponsoring folgte schnell auch bei anderen Bundesligisten und da niemand einen Wettbewerbsnachteil durch eine blanke Brust haben wollte, war die Trikotwerbung schnell flächendeckend etabliert. Genauso wie sich in unseren Tagen der Virus der Stadionumbennungen zu Gunsten von Sponsoren vollzieht, wo auch niemand ein oder zwei Millionen weniger auf der Habenseite verbuchen will als die Konkurrenz, weil man lieber im Niedersachsen-, Ostsee- oder Waldstadion als in der "Firma XY Arena" spielt.

Profifussball ohne zweistellige Millionenumsätze ist heute einfach nicht mehr möglich und das Rad lässt sich auch nicht mehr zurückdrehen. Darum sollte man wenigstens versuchen den Status Quo zu wahren und den Sponsoren oder anderen Investoren nicht noch mehr Macht zu offerieren.

Leider scheint mit den werbeüberladenen Bundesliga-Events unserer Tage immer noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein, denn mittlerweile drohen uns in Deutschland die "Fußballheuschrecken". Investoren die nicht wie der Sponsor durch Werbung ihren Nutzen aus Finanzspritzen in Fußballvereine ziehen wollen, sondern Geldgeber die aus ihrer Anlage Rendite erwirtschaften wollen.

Zweimal nur war Günter Mast im Stadion von Eintracht Braunschweig, als er Klubpräsident war. Er hat mitbekommen, dass der Klub eben aus der Zweiten Liga abgestiegen ist. „Fußball hat mich eigentlich nie interessiert“, sagt er, er war Mittel zum Zweck.

[...]

Als Eintracht Braunschweig sich weigerte, den Verein in Jägermeister Braunschweig umzubenennen, begann Mast die Verträge nach und nach aufzulösen. Da war die Geschichte für ihn zu Ende.

Süddeutsche Zeitung 29.07.2003

Zur Zeit ist diese Spezies noch von der Bundesliga abgeschreckt, da hier auch bei einer Fußballkapitalgesellschaft über 50% der Anteile (und somit die Entscheidungshoheit) beim Stammverein verbleiben müssen. Wer sein Geld investiert um es zu mehren, will natürlich auch die Weichen stellen um Gewinne (Rendite) zu erwirtschaften. Da können dann schon mal das Vereinslogo oder die Trikotfarbe verhökert werden oder die Eintrittspreise können weiter auf englisches Niveau gehoben werden (insofern die Nachfrage vorhanden ist). Und das Ganze stets im heiteren Wechsel, da natürlich immer die Firma den Zuschlag erhält, die am meisten löhnt. Heute "AWD Hannover 96", morgen "TUIflyers Hannover" und übermorgen "IKEA-Kickers Hannover" (stilecht in blaugelben Trikots). Horrorvorstellungen denen die Statuten der DFL zum Glück noch einen Strich durch die Rechnung machen, aber einige Funktionäre rütteln leider bereits daran. Martin Kind und DFL-Präsident Wolfgang Holzhäuser seien hier beispielsweise genannt.

Unser Präsident erhofft sich von einem Verkauf von 51% bis 100% unseres Vereins (bzw. der Hannover 96 Kapitalgesellschaft) einige Milliönchen mehr um zur Konkurrenz aufzuschließen und den Etat weiter an die Großen anzugleichen. Er möchte damit Wettbewerbsnachteile gegenüber Bayern, Hamburg oder Schalke auffangen und sich Vorteile gegenüber Bielefeld, Nürnberg und Co verschaffen. Dieser Gedanke klammert allerdings aus, dass sicher wie bei der Trikotwerbung oder der Vermarktung von Stadionnamen niemand lange einen Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz anschaut und andere nachziehen werden, so dass am Ende nur jene einen Vorteil haben, die davon profitieren dass im Fußball noch höhere Summen umgesetzt werden.

Die Bielefelds oder Nürnbergs werden aber ganz sicher nicht zuschauen wie Hannover ihnen durch höheres Kapital enteilt. Man wird den Gesetzen des Marktes folgen und sich auch an einen der Schlange stehenden Investoren verkaufen. Schneller als jedem Fan lieb sein kann wird der deutsche Fußball russischen Oligarchen, österreichischen Energydrink-Milliardären oder us-amerikanischen Medienmogulen gehören und die totale Kommerzialisierung eines Sportes ist abgeschlossen.


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